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Fiktive Abrechnung – Unfallschaden auszahlen lassen

Fiktive Abrechnung - Unfallschaden auszahlen lassen
Fiktive Abrechnung - Unfallschaden auszahlen lassen © Pexels.com // Pixabay
Inhaltsverzeichnis: Fiktive Abrechnung – Unfallschaden auszahlen lassen

Die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers muss für die Reparaturkosten des Geschädigten gemäß § 249 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) aufkommen.  Doch was ist, wenn Sie Ihr Auto gar nicht reparieren lassen wollen? Wir helfen Ihnen bei dieser Frage gerne weiter und erklären Ihnen in diesem Ratgeber alles rund um das Thema “fiktive Abrechnung”.

In Kürze

  • Grundsätzlich besteht für Sie die Möglichkeit, sich die festgestellte Schadenssumme auszahlen zu lassen, wenn Sie Ihr Auto nicht reparieren lassen möchten.
  • Höhe des Schadens: Materialkosten, Arbeitskosten für Werkstatt, Mehrwertsteuer und weitere Positionen.
  • Jedoch müssen Sie bei einer fiktiven Abrechnung mit Kürzungen rechnen.
  • Eine fiktive Abrechnung kann sich lohnen; muss aber nicht.

 

Fiktive Abrechnung: Den Unfallschaden nicht reparieren lassen

Durch die in Deutschland verpflichtende Haftpflichtversicherung soll sichergestellt werden, dass im Schadensfall den Unfallopfern der Schaden erstattet wird, der ihnen unverschuldet entstanden ist. Im Rahmen der Schadensregulierung wird die Kostenübernahme der Reparatur mit allem, was dazu gehört, gegenüber der Versicherung des Verursachers geltend gemacht. Durch die Reparatur soll der Zustand des Fahrzeuges vor dem Unfall wiederhergestellt werden.

Wichtig

Will man sein Auto aber gar nicht reparieren lassen, beispielsweise weil die Beule Sie gar nicht stört, bedeutet dies nicht, dass der Schadenersatzanspruch aus § 249 BGB durch den unverschuldeten Unfall verloren geht. Im Gegenteil: Die gegnerische Versicherung ist verpflichtet, auch eine fiktive Abrechnung zu begleichen.

Was bedeutet eine fiktive Abrechnung?

Üblicherweise rechnet die gegnerische Versicherung nach der Reparaturrechnung der Werkstatt ab. Es handelt sich dabei um eine konkrete Abrechnung. Eine fiktive Abrechnung hingegeben entspricht nur dem Wert einer professionellen Werkstattreparatur und wird entweder von einem Unfallgutachter ausgestellt oder beruht auf dem Kostenvoranschlag einer Werkstatt. Eine fiktive Abrechnung ist somit ein „Rechnungsersatz“. Fiktion ist die Vorstellung. Man stellt sich die Reparatur und die damit verbunden Kosten vor. Und auf Basis dieses Denkmodells kann man sich das Geld eben auch einfach auszahlen lassen. Die fiktive Abrechnung wird daher auch “Abrechnung auf der Basis des Gutachtens” genannt.

In der Praxis wird anschließend dann oft eine günstigere Werkstatt beauftragt, das Auto selbst repariert oder gar nichts am Auto verändert. Erstattet werden also demzufolge nicht die Reparaturkosten, da diese nicht -oder nur in deutlich geringerer Höhe anfallen, sondern die Kosten, die angefallen wären, wenn man die Reparatur des unverschuldet erlittenen Schadens hätte durchführen lassen.

Voraussetzung für die fiktive Abrechnung

Eine fiktive Abrechnung ist grundsätzlich immer möglich. Die Versicherung darf Sie nicht darauf verweisen, dass Sie nicht fiktiv abrechnen dürfen. Das Wahlrecht des Geschädigten, sein Fahrzeug nach einem Unfall reparieren zu lassen oder nicht, steht einem Unfallgeschädigten gemäß § 249 BGB zu.  Wenn Sie mit Fachtermini glänzen wollen: Sie sind Herr des Restitutionsverfahrens. Als Unfallgeschädigter können Sie also frei über den Schadensersatzbetrag der Versicherung verfügen und müssen diesen Betrag nicht zwingend in eine Reparatur des Fahrzeugs investieren.

Wichtig

Eine Voraussetzung für die fiktive Abrechnung gibt es: Ihr Auto muss fahrtüchtig sein.

Ist Ihr Fahrzeug aber bedingt durch einen Unfall nicht mehr fahrtüchtig oder bietet keine Sicherheit mehr im Straßenverkehr, dann sollte es repariert werden. Denn entscheiden Sie sich dann gegen eine Reparatur, dürfen Sie Ihr Auto im Straßenverkehr nicht mehr nutzen. Ist ihr Fahrzeug ein Totalschaden, dann greift die sogenannte 130-Prozent-Regelung. Sie können dann entscheiden, ob Sie Ihr Fahrzeug reparieren lassen oder fiktiv abrechnen. Weitere Informationen zur 130-Prozent-Regelung finden Sie hier.

Ablauf der fiktiven Abrechnung

Die Höhe des Schadens muss zunächst genau und belastbar beziffert sein. Dafür lassen Sie sich bei einem Sachverständigen ein Gutachten erstellen. Der Gutachter wird seine Berechnung auf Basis der Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstatt durchführen. Bei der Versicherung geben Sie an, dass Sie fiktiv abrechnen lassen möchten. Nach Prüfung der Schadensersatzansprüche, wird Ihnen der Schadensersatz netto – also abzüglich der nicht angefallenen Mehrwertsteuer – ausgezahlt.

Wie lange dauert eine fiktive Abrechnung?

Wie lange Ihre fiktive Abrechnung dauert, kann pauschal nicht beantwortet werden. Bei klarer Sachlage und einem vorbildlich reagierendem Versicherer auf der Gegenseite, kann nach wenigen Tagen das Geld auf Ihrem Konto sein. Leider kennen wir aus der Praxis aber auch Fälle, in denen noch Monate später um Teilzahlungen gekämpft werden muss.